„Wir brauchen Nachwuchs und Experten – dringend!“

Neuer Europol-Sicherheitsbericht: Massives Plus an Banden in der Organisierten Kriminalität (OK) und Verbindung zum Terrorismus. GdP mahnt zusätzliches Personal für den Zoll an – bundesweit fehlen 8.000 Kräfte.

fotoGdPmanKorFrank Buckenhofer, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Zoll, fordert, dass der Zoll massiv gestärkt wird, um den Status als Top-Verfolgungsbehörde im Bereich der Organisierten Kriminalität halten zu können. Damit reagierte er auf die gestern von Europol veröffentlichten Zahlen zur Organisierten Kriminalität (OK). Nach dem aktuellen Sicherheitsbericht SOCTA ist die Zahl der OK-Banden im EU-Raum um 40 Prozent in die Höhe geschossen. Gab es 2013 noch 3.600 OK-Gruppierungen, waren es Ende vergangenen Jahres bereits 5.000. „Von diesen Gruppierungen hat jede zwanzigste einen Bezug zum Terrorismus, ein Phänomen, dass man vor vier Jahren noch gar nicht beobachtet hat. Die neuen Europol-Zahlen bestärken die GdP in ihrer jahrelangen Forderung nach besseren Strukturen und mehr personellen Ressourcen. Wir brauchen Nachwuchs und Experten – dringend“, sagt Buckenhofer. Vor allem der Bereich Cybercrime wachse stetig und dort verfüge der Zoll nicht über ausreichend Personal und Ausstattung.

„Wir müssen ausbilden, ausbilden, ausbilden und dringend die ca. 4.000 freien, vorhandenen jedoch unbesetzten Stellen besetzen. Darüber hinaus benötigen wir bundesweit 4.000 weitere Kräfte – darunter 2.000 Kontroll- und Streifenbeamte sowie 1.000 Beamte für Fahndung und Ermittlung“, so Buckenhofer. Der Zoll sei dermaßen schlecht aufgestellt, dass er nicht einmal rund um die Uhr in der Fläche Präsenz zeigen könne. „Kein Wunder, dass die Organisierte Kriminalität unter diesen Umständen wächst und gedeiht. Unsere Ermittlungserfolge haben wir nur noch der Expertise, dem Engagement und dem Spürsinn unserer Beschäftigten zu verdanken.“

Dem neuen SOCTA-Bericht nach sind mittlerweile 45 Prozent aller OK-Gruppierungen diversifiziert aufgestellt – ihre Geschäfte richten sie ganz nach Verfügbarkeit, Risiko und zu erwartenden Gewinnmargen aus. Schwerpunkte sind Drogen, Menschenhandel Produktfälschungen und Geldwäsche – alles originäre Betätigungsfelder des Zolls.

 

derStandard.at: Europol: Mehr als 5.000 kriminelle Banden in ganz Europa


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